Das Prinzip Bauhaus und sein Einfluss auf das moderne Webdesign

Das Prinzip Bauhaus und sein Einfluss auf das moderne Webdesign

Als sich gegen Anfang des 20. Jahrhunderts eine Gruppe Studenten rund um Bauhaus-Gründer Walter Gropius daran machte neue Fragen nicht länger in alter Formsprache zu beantworten sondern mit einem strengen Rationalismus eine zeitgemäße Interpretation von Form und Funktion fanden, war noch nicht ab zu sehen welchen Einfluss Ihre Arbeiten fast 100 Jahre später auch auf unser digitales Leben haben werden.

Vergangenheit, Gegenwart und Moderne prägen nicht nur unser Stadtbild und unseren Alltag. Seit Gründung des Bauhaus in den 1920er Jahren hält die "neue Sachlichkeit" unaufhaltsam ihren Einzug in Bereiche wie Architektur, Werbung, Möbeldesign und viele weitere. Zwar blickt die Geschichte des Webdesign auf eine deutlich kürzere Zeitepoche zurück und dennoch lässt sich selbst in diesem kleinen Zeitrahmen ein erstaunlich großer Einfluss der Moderne auf das Webdesign feststellen.

Erinnern wir uns zurück an die frühen 2000er. 2 Amerikaner machen es sich zur Aufgabe das Internet zu katalogisieren und gründen eine Suchmaschine namens Google. Die ersten Azubis lassen sich für einen digitalen Markt kreativ ausbilden, denn Kreativität wird als Handwerk verstanden das man, wenn man sich nur genug anstrengt auch erlernen kann.

Es herrscht digitale Anarchy die auch vor dem Webdesign nicht halt macht.

Was folgt sind Jahre des kreativen Überfluss. Webdesign ohne Rücksicht auf usabillity oder technische Machbarkeiten. Schön an zu sehen, kaum effizient und meist verspielt bis ins kleinste Detail. Wir erinnern uns an eine Zeit in der wir nach allen Regeln der Kunst versuchten echte Materialien auf den Bildschirm zu zaubern. Ganz nach dem Motto: je realistischer desto besser. Zugegeben der Glossy und Material -Hype wurde auch von Unternehmen wie Microsoft (Windows Vista) und Apple befeuert. Spannen wir den Bogen noch etwas weiter können wir in dieser Webdesign-Epoche eine Art "digitalen Jugendstil" erkennen, der in den Jahren 2012/2013 gewollt oder ungewollt seine moderne Ablöse in Form der ersten "Flatdesigns" und "Onepager" fand.

Vergleichen wir nun den Einfluss und Werdegang den die Bauhaus-Schule auf unseren Alltag nahm, mit der Entwicklung des Webdesigns in den vergangenen 10 bis 15 Jahren, wird uns bewusst das diese neue, digitale Sachlichkeit eine logische, positive und vor allem langfristige Entwicklung darstellt. Mit Blick auf die sich wiederholende Geschichte der Moderne und Ihre Auswirkung, wirken Begriffe wie "Content First" "modernes Flatdesigns" oder "State of the Art Webdesign" wie blasse Phrasen, deren Bedeutung den tatsächlich stattfindenden Wandel im Webdesign nur wage beschreiben können.

Und wie geht es weiter? Stehen wir kurz vor der Epoche des Postmodernen - Webdesigns? Wie so oft in unserer Branche finden grundlegende Veränderung und (Design) Revolutionen in überschaubaren Zeitrahmen statt – Meist so überschaubar, das wir schnell den Anschluss an die neusten Technologie, den neusten Designtrend verpassen. Tatsächlich fand in den vergangenen 2-3 Jahren eine erste Webdesign-Revolution statt.

Webdesign, inspiriert durch Realismus, Hardware und der tatsächlichen Verwendung seiner Nutzer.

Denn die Webdesign-Realität besteht aus Pixel, Grids, Logiken und nicht zuletzt dem Mut, sich gänzlich neuen Inspirationsquellen zu bedienen.Webdesign wird deutich weniger von Kreativität und deutlich mehr von der Realität geleitet. Viele Webdesigner und Auftraggeber tun sich mit dieser Tatsache noch etwas schwer, denn gutes Webdesign tut weh.

Vorbei die Zeiten in denen wir uns durch CSS Galerien klickten und die Entwicklung eines Webdesigns als Akt der Kunst begriffen. Anstatt die Welt zu digitalisieren, werden Entwickler und vor allem Webdesigner begreifen müssen, das Ihre digitalen Produkte und Designs sich den tatsächlichen Gegebenheiten der Welt anpassen müssen und nicht andersherum.

Welche Auswirkungen hat das Prinzip Bauhaus auf technische Umsetzungen und welche Schlüsse können wir für den Bereich der mobilen Webistes ziehen? Mehr Dazu im nächsten Artikel: Die Zukunft des Webdesigns wird ein individuelles Massenprodukt